DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist
05-06-2026 11:01
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 05.06.2026 um 10.30 UTC
Unbeständig mit einzelnen Gewittern, vor allem am Montag und in der Nacht zum
Dienstag teils kräftig, teils auch mehrstündiger Starkregen. Meist nur mäßig
warm.
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Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 12.06.2026
Zum Beginn des mittelfristigen Zeitraums am Montag liegen wir auf der
Vorderseite eines Langwellentrogs, der sich ausgehend von zwei Drehzentren
südlich von Island bis zur Iberischen Halbinsel erstreckt. Direkt unter besagten
Drehzentren befindet sich ein großräumiges Bodentief, dessen wellende Kaltfront
vor unseren Toren über die Nordsee liegt und von dort zum Ärmelkanal verläuft.
Im Vorfeld greift eine meridional ausgerichtete Tiefdruckrinne auf uns über,
Niederschläge werden daran allerdings nicht simuliert. Zwar hält sich die
Labilität tatsächlich etwas in Grenzen, die im Tagesverlauf zunehmende Scherung
und ein in der südwestlichen, leicht diffluenten Höhenströmung womöglich
ablaufender Kurzwellentrog könnten in Kombination aber durchaus für den ein oder
anderen Schauer oder gar ein Gewitter gut sein, lokaler Starkregen,
(kleinkörniger) Hagel und/oder Böen bis Sturmstärke inklusive. Auch an den Alpen
besteht ein gewisses Gewitterrisiko, wobei hier lokaler Starkregen als
Begleiterscheinung im Vordergrund steht.
Sehr interessant könnte es im Westen und Nordwesten werden, wo sich zum Abend
hin der nächste, deutlich markantere Kurzwellentrog nähert. Bei starker sowohl
hochreichender als auch niedertroposphärischer Scherung, könnten sich bei
präfrontaler Auslöse rasch einzelne Superzellen entwickeln, die dann - wenn wir
es zu Ende denken - bei zum Teil nur niedrigen Wolkenuntergrenzen sogar ein
gewisses Tornadopotenzial hätten... Zugegeben, noch sehr viel Konjunktiv - da
heißt es abwarten, was die nächsten Vorhersageläufe so bringen.
Deutlich sicherer ist dagegen, dass vor der Front nochmals deutlich wärmere Luft
ins Land strömt mit T850er-Werten von verbreitet über 10 Grad (mit Ausnahme des
Nordens und Westens), am Alpenrand sogar bis 16 Grad.
In der Nacht zum Dienstag nähert sich der Trog uns an und der angesprochene
Kurzwellentrog zieht über den Nordwesten hinweg. Die Kaltfront nimmt nun Fahrt
auf und kommt bis in den Osten und Süden voran. Besonders im Westen und
Nordwesten ist dabei mit schauerartigen, vereinzelt auch mit Gewittern
durchsetzten Regenfällen zu rechnen, die örtlich auch Starkregen mit sich
bringen können. Anfangs sind auch einzelne eingelagerte Superzellen nicht
komplett ausgeschlossen. Auch im Süden muss mit teils gewittrigen
(Stark-)Regenfällen gerechnet werden, die von der Schweiz her Richtung
Alpenvorland ausgreifen können.
Am Dienstag zieht die Front rasch ostwärts ab, hängt am Alpenrand jedoch noch
etwas fest, wo es in der Folge noch längere Zeit regnen wird (anfangs gewittrig;
geringe Wahrscheinlichkeit für mehrstündigen Starkregen). In der Höhe passiert
uns der nächste Randtrog nordostwärts, sodass vielfach Schauer und vor allem in
der Nordwesthälfte auch einzelne Gewitter auf der Tagesordnung stehen. Bei
weiterhin guter (Geschwindigkeits-)Scherung und demzufolge mitunter gutem
Organisationsgrad muss (auch bei potentiellen Schauerlinien) mit Böen bis
Sturmstärke gerechnet werden. Starkregen wird dagegen kein Thema sein. T850
sinkt hinter der Front wieder auf einstellige Werte, auf den Nordwesten greift
im Tagesverlauf gar die 2-Grad-Isotherme über.
Am Mittwoch und Donnerstag liegen wir voll unter dem Trog, sodass alles in allem
zwei unbeständige, nur mäßig warme Tage mit Schauern und einzelnen
Kaltluftgewittern zu erwarten sind. Am Freitag greift von Westen her ein Rücken
über, der in weiten Teilen des Landes für eine Wetterberuhigung und einiges an
Sonnenschein sorgt. Nur im Norden macht sich bereits die Warmfront des nächsten
Tiefs mit Wolken und etwas Regen bemerkbar. Zudem wird es aus Südwesten her
wieder etwas wärmer.
In der erweiterten Mittelfrist streckt das Azorenhoch seine Fühler Richtung
Mitteleuropa aus. Der Norden verbleibt dagegen unter leichtem Tiefdruckeinfluss.
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Konsistenz des aktuellen 00-UTC-Laufs des IFS kann insgesamt als gut
bezeichnet werden, was die großräumigen Strömungsmuster angeht. Demnach steht
uns in der neuen Woche ein steter Wechsel aus (Rand-)Trogpassagen und kurzem
Zwischenhocheinfluss ins Haus, wobei der Süden tendenziell die größeren
Sonnenanteile abbekommt. Was Timing und Intensität der Trog-/Frontdurchgänge und
der damit verbundenen Niederschläge angeht, bestehen naturgemäß noch gewisse
Unsicherheiten, die zum Ende der Woche hin größer werden.
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Vergleich mit anderen globalen Modellen
Bis etwa Donnerstag zeigen auch die anderen, an dieser Stelle betrachteten
Globalmodelle (ICON, GFS, UK10), was die großräumigen Strukturen angeht, keine
großartigen anderen Lösungen als IFS. Im Endeffekt geht es nur um die Frage,
wann, wo und wie intensiv die einzelnen Kurzwellentröge über uns hinweg ziehen.
Für Freitag scheint IFS jedoch dann die Exklusivrechte für den
hereinschwenkenden Rücken zu haben. Denn ICON und GFS belassen uns weiterhin im
Einflussbereich des Troges (bei GFS weiterhin direkt unter dem Trog, bei ICON
durch Regenerationsprozess trogvorderseitig).
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Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Rauchfahnen für verschiedene deutsche Städte zeigen bis etwa Donnerstag ein
recht einheitliches Bild. Beim Temperaturniveau geht es am Montag zunächst steil
bergauf, ehe es ab Dienstag schon wieder rasch bergab geht. Spätestens ab
Donnerstag nimmt der Spread dann deutlich zu, sodass am Freitag eine enorme
Temperaturspanne angeboten wird (am Beispiel von Freiburg zwischen 2 und 20
Grad). Beim Niederschlag gibt es durchweg Gezappel, wobei Montag/Dienstag etwa
heraussticht.
Beim Clustering stehen die Zeichen im Zeitraum von Mittwoch bis Freitag (00 UTC)
klar auf NAO+. Alle vier Cluster belassen Deutschland dabei zunächst unter
Trogeinfluss, ehe am Freitag C1 und C4 (17 und 9 Member, C1 inkl.
Haupt-/Kontrolllauf) den Rücken zu uns reinkommen lassen. C2 und C3 (14 und 11
Member) lassen dagegen höchstens den Südosten Deutschlands in den "Genuss"
höheren Geopotentials kommen.
Eine nahezu identische Aufteilung ergibt sich für die erweiterte Mittelfrist: 4
Cluster, davon C1 und C4 (17 und 10 Member, C1 inkl. Haupt-/Kontrolllauf) auf
Kurs Azorenhochkeil, während C2 und C3 (13 und 11 Member) Deutschland weiterhin
(voll) unter Trogeinfluss belassen.
FAZIT:
Die unbeständige und abgesehen vom Montag auch nur mäßig warme Witterung bleibt
uns auch in der neuen Woche erhalten. Besonders interessant hinsichtlich
konvektiver Tätigkeit könnte es dabei am Montag/Nacht zum Dienstag werden. Man
darf gespannt sein, was die hochauflösenden Modelle alles so präsentieren, wenn
ihr Vorhersagezeitraum erreicht ist. Was den von IFS vorgeschlagen Vorstoß des
Azorenhochs Richtung Wochenende angeht, scheint dieses Szenario mit Blick auf
die externen Modellalternativen und auch das interne Ensemble noch auf extrem
wackligen Füßen zu stehen.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
In Sachen signifikanter Wettererscheinungen stechen aktuell der Montag und die
Nacht zum Dienstag heraus. Einzelne markante Gewitter mit Starkregen, Böen bis
Sturmstärke und kleinkörnigem Hagel sind einerseits an den Alpen zu erwarten,
aber auch innerhalb der über uns befindlichen Rinne (tagsüber hauptsächlich
Westhälfte, nachts dann zum Teil noch Osthälfte). Im Nordwesten könnte es
präfrontal lokal auch noch etwas kräftigere Entwicklungen mit schweren Sturmböen
(Bft 10) geben.
In der Nacht zum Dienstag sind dann im Westen und Nordwesten an der Front
örtlich teils gewittriger Starkregen und in der Osthälfte wie angesprochen
einzelne markante Gewitter nicht ausgeschlossen. Zudem kann mit geringer
Wahrscheinlichkeit aus der Schweiz heraus gebietsweise gewittriger, teils
mehrstündiger Starkregen auf Teile des Alpenvorlands übergreifen.
Am Mittwoch und Donnerstag sind dann vor allem in der Nordhälfte einzelne
Kaltluftgewitter zu erwarten, die aber voraussichtlich meist ohne markante
Begleiterscheinungen abzuwarnen sind (im worst case stürmische Böen (Btf 8)).
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Basis für Mittelfristvorhersage
IFS(-EPS), ICON(-EPS), GFS, UK10, MOSMIX
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VBZ Offenbach / Dipl. Met. Tobias Reinartz